Besinnung:

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ – so lautet die Jahreslosung 2020.

Liebe Gemeinde,
als ich zum ersten Mal diesen Satz las, dachte ich: Welch widersprüchliche Aussage soll uns denn da durch das Jahr begleiten?

In Markus 9 wird von einem Vater berichtet, der verzweifelt ist. Sein Sohn ist seit vielen Jahren von einem bösen Geist besessen, vermutlich hatte er schwere epileptische Anfälle. Wer weiß, was der Vater schon alles versucht hat, um ihm zu helfen.

Wem hat er vertraut, wie viel Geld hat er investiert und wie oft wurde er dann doch tief enttäuscht? Vermutlich griff der Vater nach jedem Strohhalm, der in Reichweite kam – was für ein Elend! In seiner Not hat er sich an Jesu Jünger gewandt, doch sogar die konnten ihm nicht helfen. 

Nun schüttet er Jesus sein Herz aus und bittet in Vers 22: „Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“
Das lässt Jesus so nicht stehen und antwortet: „Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“.

Wie? Eigentlich geht es doch um den Sohn, den Jesus heilen soll, und nun geht es auch um den Vater? Da steht Jesus, der Retter, direkt vor ihm, und nun soll die Heilung von der Stärke seines Glaubens abhängen? Welch eine Herausforderung! Ist sein Glaube dafür stark genug, nach all dem, was er erlebt hat? Er ist hin- und hergerissen und hat Angst. Und so ruft der Mann schließlich nicht: „Ich glaube, hilf meinem Sohn!“, sondern „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Der Vater in dieser Geschichte hat sich richtig entschieden, er hat seine Begrenztheit offen zugegeben und Jesus hat den Sohn geheilt.

Ist mein Glaube stets stark genug, um Schicksalsschläge und alle anderen Stürme des Lebens zu bestehen? Sicher nicht! Wir alle wollen fröhlich glauben, aber immer wieder tauchen Zweifel auf. So manches Gebet wird (scheinbar) nicht erhört, nicht jeder Kranke wird geheilt, nicht jedes Unglück geht an uns vorüber. Das kann meinen Glauben mächtig erschüttern. Die Bibel hält noch mehr Geschichten von Zweiflern bereit, offenbar ist das nicht nur ein Problem unserer Zeit. Unsere Zweifel sind nicht grundsätzlich falsch. Beides gehört zusammen: Das Wissen, dass unser Glaube an Gott mächtig ist und zugleich unser Eingeständnis, dass wir trotzdem immer wieder die Hilfe Jesu brauchen. Käme es allein auf unseren Glauben an, wären wir verloren. Jesus will uns immer wieder neu bestärken und wartet darauf, dass wir im Gebet zu ihm kommen.

Nicht alle unsere Gebete werden in Erfüllung gehen, aber wir dürfen Gott vertrauen, dass er es gut mit uns meint und dass er das Ganze überblickt. Wir wissen uns in Gottes Hand und es ist ganz sicher kein Widerspruch, wenn wir bitten: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“.

Möge Sie diese Erkenntnis durch das Jahr 2020 begleiten!

Ihre Kirchengemeinderätin Britta Müller

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