Besinnung:

Seit Sonntag, dem 5. Juli ist das Singen im Gottesdienst wieder offiziell erlaubt. Vor Corona war es schwer vorstellbar, dass es eine Zeit geben könnte, in der ein so elementarer Bestandteil des Gottesdienstes für einige Monate verboten sein würde. Doch Corona hat vieles verändert. Auch unser Denken. Wir dürfen dankbar sein, dass es nicht so schlimm kam, wie es anfangs befürchtet wurde. Auch wenn es noch länger dauern wird, bis in den Krankenhäusern alles wieder im Normalbetrieb laufen wird; die von einigen befürchtete Überlastung der Intensivstationen ist ausgeblieben. Keine Ärztin und kein Arzt in Deutschland musste entscheiden, wer beatmet wird und wer nicht.

Corona hat uns vor Augen geführt, dass nichts selbstverständlich ist.

Dabei sind Krisen in unserer Geschichte nichts Neues. Eine besonders schwere Zeit war die Zeit des 30-jährigen Krieges.

Moment, gibt es jetzt eine kleine Geschichtsstunde? Nein, keine Sorge. Ich habe nicht das Geschichtsbuch aus meiner Schulzeit aufgeschlagen. Trotzdem erwähne ich diese Zeit nicht ohne Grund. Auch wenn sie bereits knapp 400 Jahre zurückliegt, für unseren modernen Gottesdienst hat sie eine direkte Bedeutung. In dieser Zeit lebte der Dichter Paul Gerhardt, der Autor vieler bekannter und beliebter Kirchenlieder.

Paul Gerhardt wird im Jahr 1607 in einem kleinen Ort im Landkreis Wittenberg geboren. Luthers Thesenanschlag liegt da zwar schon 90 Jahre zurück, der Mensch Martin Luther, sein Leben und die durch ihn verursachte Aufbruchsstimmung beherrscht aber immer noch den theologischen Alltag.

Paul Gerhardt lebte in einer Zeit, in der die Abendnachrichten im Fernsehen, hätte es das Medium Fernsehen damals schon gegeben, Abend für Abend voller Schreckensnachrichten gewesen wären. Es gab Kriege mit schrecklichen Verwüstungen in unmittelbarer Nähe, lange andauernde Hungersnöte, kein Aussicht auf Frieden, die Stadt Wittenberg war voller Flüchtlinge und mehrmals wütete die Pest in der Stadt. Und auch Paul Gerhardt blieb nicht von persönlichen Tragödien verschont.

Und trotz aller bedrückender Umstände hat Paul Gerhardt zusammen mit dem Kirchenmusiker Johann Crüger, seinem Bruder im Geiste, wenige Jahre nach Ende des 30 jährigen Krieges ein Lied komponiert, das wie kaum ein anderes Kirchenlied von der Freude, der Hoffnung und der Liebe Gottes handelt. Sie werden es alle kennen: „Geh aus, mein Herz und suche Freud“. Beim Lesen über die Entstehungsgeschichte des Liedes wurde mir bewusst, dass die Menschen damals schwere Jahre in einem tiefen Gottvertrauen überstehen mussten. Sie konnten sich nicht wie heute jederzeit über den aktuellen Stand der Infektionszahlen informieren, sie konnten nicht davon ausgehen, dass die Regierung schon das Richtige tut und sie konnten nicht davon ausgehen, dass es in nicht allzu ferner Zukunft einen Impfstoff auch gegen Corona geben wird.

Vertrauen in Gott war damals eventuell sehr viel selbstverständlicher als heute – das ist aber nur eine persönliche Vermutung.

Die tiefe Frömmigkeit von Paul Gerhardt zusammen mit der Lebensfreude und Fröhlichkeit, die in den mit Johann Crüger entstandenen Liedern zum Ausdruck kommt, hat die Menschen über einen Zeitraum von über 300 Jahren mit Trost und Freude erfüllt. Und wir können davon ausgehen, dass dies auch in 300 Jahren noch der Fall sein wird.

Ich wünsche Ihnen sorgenfreie und gesegnete Sommerferien.

Ihr Peter Monadjemi 

PS: Es gibt ein sehr schönes Buch von Johannes Wilkens, in dem er bekannte Kirchenlieder und ihre Geschichten vorstellt. Dem Leben von Paul Gerhardt wird ein ganzes Kapitel gewidmet. Das Büchlein ist nicht nur als Urlaubslektüre empfehlenswert.

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